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GESCHICHTE DER ROMA


Die Roma leben seit ca. 800 Jahren in Europa und sind hier nie angekommen. Ursprünglich kommen sie aus Nordwestindien und gehörten in diesem vom Hinduismus geprägten Raum zur Gruppe der Dalits (auch Parias oder Unberührbare). Das waren und sind aus der Gesellschaft Ausgestoßene, die praktisch rechtlos sind.

 

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Sie werden vor Gericht diskriminiert, sie dürfen teilweise ihr Wasser nicht aus denselben Brunnen wie der Rest der Bevölkerung holen.

Sie werden oft grausam und unwürdig behandelt. Es gibt zum Beispiel Berichte die besagen dass sie gezwungen werden menschliche Exkremente zu essen.

Sie dürfen oft die Tempel nicht betreten oder werden bei Wahlen an der Stimmabgabe gehindert.

Sie werden auch oft von der Polizei grausam behandelt.

Wenn sie Schuilden haben müssen sie diese nicht selten unter unwürdigen Bedingungen abarbeiten.

Viele von ihnen müssen beispielsweise mit bloßen Händen Latrinen räumen. 

 


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Auf europäische Verhältnisse umgelegt zeigt sich, dass die Inder der höheren Kasten ein ganz ähnliches Bild von den Parias haben wie die "abendländischen" Europäer von den Roma. Auch scheint das innere Verhältnis zu ihnen durchaus vergleichbar zu sein. In der europäischen Geschichte der letzten 800 Jahre haben die Roma eine ähnliche Position wie die Parias in der indischen Geschichte des gleichen Zeitraumes.

Unter Berücksichtigung der jeweiligen Bedingungen der europäischen und der indischen Verhältnisse gibt es erstaunliche Parallelen der Stellung, die diese beiden Bevölkerungsgruppen in ihrem jeweiligen sozialen Umfeld haben. Auch die Hierarchien innerhalb der Dalits haben eine Parallele bei den Roma.

Die Roma sind aus ihrer ursprünglichen norwestindischen Heimat nicht freiwillig ausgewandert. Die ursprünglichen Gründe für ihr Weggehen sind historisch umstritten. So gibt es Hinweise auf Hungersnöte, Naturkatastrophen und Verschleppungen. Auch ihr weiterer Zug bis nach Europa war kein freiwilliges Nomadisieren sondern das Ergebnis von Vertreibung, weiterer Verschleppung und Auswanderung wegen Diskriminierung und Unterdrückung.

Unser Bild von den "freien Zigeunern"“, die im Pferdewagen ein ungebundenes Leben führen, ist falsch. Sie mussten immer um ihr Überleben kämpfen und kaum eine ihrer Wanderungen war freiwillig.

Wir haben es mit einer Kultur zu tun, die immer vom Wohlwollen Anderer abhängig war, die dieses Wohlwollen kaum erhalten und daher nur ein schwaches Bewusstsein von sich selbst entwickelt hat. Die Roma haben ganz selten - und wenn, dann nicht sehr vehement - Formen der Selbstverwaltung angestrebt. Es war nie die Rede von einer Autonomie, einem Staat oder überhaupt einer Form des Zusammenschlusses politischer Art.

Das unterscheidet sie ganz wesentlich von allen anderen Minderheiten in Europa, die alle irgendwann einen eigenen Status gefordert und diesen meist auch erhalten haben. Selbst so etwas Selbstverständliches wie die Stellung einer Minderheit wurde den Roma zum Beispiel in Österreich erst 1993 gewährt. Wenn man sich die Bedingungen vergegenwärtigt, unter denen dieses Volk gelebt hat und nach wie vor lebt, dann ist es verwunderlich, dass nicht viel öfter Aufstände, Revolten und bewaffnete Auseinandersetzungen die Folge waren.

Es gibt eine für uns schwer verständliche Duldsamkeit ihren Lebensumständen gegenüber, die im direkten Kontakt manchmal irritierend sein kann, weil sie für den durchschnittlichen Europäer wie Faulheit oder Ignoranz aussieht.


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In Wirklichkeit fehlen ihnen die Perspektiven, die sich unter solchen Lebensumständen auch nicht entwickeln können, weil Kinder in den prägenden Jahren hauptsächlich Erfahrungen von Depression, Mangel, Hunger und Ausgrenzung machen. Und sie erleben, dass ihre Eltern, die unter den gleichen Bedingungen aufgewachsen sind, keine Auswege finden.
 
Damit gibt es auch keine positiven Vorbilder. Das wichtigste Element für Motivation fehlt vollkommen: Erfolgserlebnisse. Das alles begünstigt Stillstand, Verweigerungshaltung und Resignation. Das Vertrauen darauf, die eigene Situation positiv verändern zu können, verschwindet. In einer derartigen Situation ist Entwicklung aus eigenem Antrieb sehr schwierig, weil die wichtigsten Grundlagen dafür nicht vorhanden sind.

Die DIREKTHILFE:ROMA:Roma sieht in der Wiederherstellung und Förderung solcher Grundlagen eine Hauptaufgabe. Dies funktioniert aber nur im direkten zwischenmenschlichen Kontakt, weil für derartige Prozesse ein Vertrauensverhältnis und ein großes Wissen über die Gesprächspartner vor Ort notwendig ist, damit überhaupt ein Nachdenkprozess und eine Reflexion eintreten kann. Deshalb sind regelmäßige Reisen in nicht zu langen Abständen in die Romaregionen unerlässlich.

Aus all diesen Gründen wird auf lange Sicht auch die Arbeit von Entwicklungs- und Sozialarbeitern, die über einen längeren Zeitraum permanent anwesend sind, notwendig sein. Da ein solches Projekt mit erheblichem administrativen und finanziellen Aufwand verbunden ist, sehen wir es als ein langfristiges Ziel an.